Puente la Reina

Bericht 7: Puente la Reina (Jakobsweg Spanien) – 3. Mai 2001

Ola,
jetzt sind wir in Spanien und es regnet immer noch. Naja, reden wir nicht vom Wetter, wir sind es ja gewohnt. Als wir am 30. April im verregneten Barcelona ankamen, haben wir uns zuerst gedacht, wir hätten uns verflogen und wären aus Versehen in Wien gelandet. Als es dann aber nach einer Stunde wieder trocken wurde, waren wir sicher, dass es doch nicht Wien ist 🙂

wurde gebaut anlässlich der Weltausstellung 1888 als Haupteingangstor

Der Arc de Triomf in Barcelona bei blauem Himmel. Na, das ist doch auch mal schön.

Aber bis wir nach Spanien kamen, meine Herrn: Zuerst Zugfahrt in einem völlig überfüllten Stadtexpress von Wiesloch über Mannheim (da ist gerade der Maimarkt im Gange und deshalb war der Zug so voll) nach Frankfurt. Dann vor dem Iberia-Schalter die Räder in Windeseile für’s Flugzeug vorbereiten und die Ortliebs in Packmaterial verstauen (pro Person nur ein Gepäckstück: 4 Ortliebs + Packmaterial = 1 Gepäckstück). Und dann ins Flugzeug, schnell nach Barcelona fliegen und Fahrräder wieder fahrtüchtig machen (nicht zu vergessen das Aufpumpen der Räder mit einer klitzekleinen Luftpumpe, die ordentlich dafür sorgt, dass die Oberarmmuskulatur nicht zu kurz kommt). Und Ortliebs wieder auspacken, sich dumm und dusselig freuen, dass alles noch heil ist und dann mit der Metro in die Innenstadt fahren. Dort wie wild eine Unterkunft suchen, weil der Campingplatz ewig weit weg ist. Zwei Jugendherbergen abklappern, die superteuer sind, und dann mit Wahnsinnsglück eine kleine, günstige Pension finden. Die lassen uns sogar die Räder im Flur unterbringen, so dass wir beruhigt schlafen können. Vor lauter Freude über die schöne Unterkunft bleiben wir gleich zwei Nächte.

Carol Streeter macht Abendbrot, damit wir nicht teuer essen gehen müssen

In unserem Zimmer in Barcelona können wir sogar essen oder was kochen. Das schont die Weltreise-Kasse 😉

Am 2. Mai wollten wir dann mit dem Bus von Barcelona nach Pamplona, unserem Ausgangspunkt für den Jakobsweg, fahren (ja, fahrradverrückte Weltreisende könnten auch radeln, aber uns war gerade nicht danach). Die Busgesellschaft verlangte, dass die Fahrräder in großen “Taschen” verpackt werden. Jetzt finde mal eine große Plastiktasche o.ä. am 1. Mai in Barcelona. Wir sind sage und schreibe drei Stunden nur dafür unterwegs gewesen und wurden schließlich bei Lufthansa auf dem Flughafen fündig. Die haben uns netterweise mittelgroße Plastiksäcke für Kinderwagen zur Verfügung gestellt, die auseinandergeschnitten und mit Tesaband ergänzt den Eindruck erweckt haben, die Fahrräder seien darin verpackt. Um 7.30 Uhr ging der Bus und wir waren schon um 6 Uhr dort, um die Räder vorzubereiten (eine Runde Mitleid bitteschön!).

Wir verpacken die Räder, damit sie bloß kein Gepäck anderer Leute schmutzig machen.

Bis wir die Räder “busfertig” gemacht haben, sind wir völlig erledigt. Busfahren mit Rädern ist deutlich anstrengender als Radeln.

In Pamplona angekommen ging es dann los mit dem Jakobsweg. Trotz der “Vorsaison” und dem relativ durchwachsenen Wetter sind schon sehr viele Pilger unterwegs. In der Hauptsache handelt es sich um Fusspilger. Und die werden in den Refugios, den Herbergen für Pilger, bevorzugt behandelt. Das heißt, wir als Radfahrer haben da eher das Nachsehen, denn die Plätze sind begrenzt. Aber wir haben ja unser Hilleberg-Zelt dabei und wollen eh meistens zelten. In Pamplona waren wir, weil der Campingplatz wieder weit außerhalb und auch nicht auf der Route war, trotzdem in einem Refugio. Nur dass wir kein Bett, sondern ein Plätzchen im Garten für das Zelt bekommen haben. Und das war völlig in Ordnung so.

So ein Zwei-Frau-Zelt ist mit Packtaschen und Schlafutensilien ja ziemlich schnell überfüllt.

Und auch in Puente la Reina dürfen wir hinter der Herberge zelten.

Das heißt für uns oft auch auf der Landstraße radeln.

Mit unseren schwer beladenen Rädern sind wir auf Alternativrouten zum Jakobsweg für Fußpilger unterwegs.

Und heute haben wir es bis Puente la Reina geschafft. Es waren zwar “nur” 30 Kilometer, aber dafür ganz schön bergig. Die Hügels an Jagst und Kocher waren dagegen nur ein Witz.

Wir machen hier Pause und kochen eine Suppe.

Die Kirche Santa María de Eunate auf dem Jakobsweg wird den Templern zugerechnet.

An der wundervollen Kirche Eunate haben wir Rast gemacht. Angeblich soll dort meditative Ruhe herrschen. Ist doch dort gerade ein Bus voller Touristen, als wir ankommen?! Naja, die sind aber gleich wieder gegangen, nachdem sie ihre Fünf-Minuten-Besichtigung gemacht hatten.

Kurz vor Puente la Reina vereinigen sich der aragonesische und der navarresische Zweig des Jakobswegs und es geht weiter auf dem Camino Francés.

Eine der berühmtesten Brücken auf dem Jakobsweg: Puente la Reina heißt übersetzt Brücke der Königin

In Puente la Reina zelten wir wieder hinter dem Refugio, weil auch hier der Campingplatz ewig weit weg ist. So kommen wir in Kontakt mit den anderen Pilgern und können trotzdem im Zelt schlafen.

Ab jetzt sind wir auf dem berühmten Camino Franés unterwegs.

Wer sein Rad liebt, schiebt ;-). Wir machen das, um die wunderschöne Brücke Puente la Reina noch ein bisschen länger zu genießen.

Und jetzt brauchen wir nur noch eine Telefonleitung, damit wir unseren Newsletter verschicken können. Aber das ist leichter gesagt als getan. Wir sprechen leider kein Spanisch, die meisten Spanier hier sprechen aber ganz viel Spanisch und sonst nix und bei dem Wörtchen “Internet” reagieren sie gleich ablehnend (Anmerkung aus 2016: bitte bedenken, wir befinden uns im Jahr 2001). Außerdem sind die Dörfer hier so klein, dass wir uns schon freuen, wenn wir ein bisschen Brot und frische Tomaten kaufen können. Von Telefonleitungen, Internet-Cafés oder Computershops also nichts zu sehen.

Bis bald,
Beate und Carol

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P.S.: Auf meiner neuen Seite www.pilgerwissen.de gebe ich übrigens jede Menge Hilfe und Tipps, falls Sie selber einen Jakobsweg gehen oder einfach sonst pilgern möchten. Und eine interaktive Packliste zum generieren gibt es dort auch.